Spielen in der Schule: zwischen Spiel und pädagogischer Methode für BNE
01.04.2026

 
Wir alle spielen – als Kinder, als Jugendliche und als Erwachsene. Auch in der Schule wird gespielt; nun jedoch, um zielgerichtet zu lernen und (BNE-)Kompetenzen zu entwickeln. Das wirft drei Fragen auf: Was ist ein Spiel? Was wird aus ihm in der Schule? Und wie entfaltet es sich im Kontext von BNE?

Was ist ein Spiel?

Woran erkennt man ein Spiel überhaupt? Dazu schlägt Brougère (2005) fünf Kriterien vor:

Die Denkfigur des «So tun als ob»
Wenn ein/e Spieler/in sagt, er oder sie «sei ein Drache», wissen die anderen, dass das nicht wirklich stimmt. Das Spiel eröffnet einen magischen Raum, in dem die Realität vorübergehend ausgeklammert wird.  

Unbeschwertheit2 : «Es ist nur ein Spiel!»
Man gewinnt, verliert, irrt sich … ohne Folgen für das reale Leben. Das Spiel ermöglicht es, verschiedene Szenarien auszuprobieren, ohne Angst vor den Konsequenzen zu haben, wenn das Spiel vorbei ist.

Entscheidung: «Spielen wir?»
Jede und Jeder ist frei, diese Einladung anzunehmen oder abzulehnen. Danach treffen die Spielenden im Rahmen der Regeln Entscheidungen, um das Spiel voranzubringen.  

Regel: «So macht das keinen Sinn mehr!» 
Wenn jemand schummelt, funktioniert das Spiel nicht mehr. Regeln dienen dazu, Handlungen zu koordinieren und den Entscheidungen aller Beteiligten Sinn zu verleihen.

Ungewissheit: «Es ist noch alles offen!»
In einem Spiel kann es zu überraschenden Wendungen kommen: Der Ausgang ist ungewiss, und bis zum Schluss bleibt alles möglich. Gerade das trägt wesentlich zur Spielfreude bei.

Wie die Schule das Spiel verändert

In der Schule erhält das Spiel pädagogische Zielsetzungen und wird zu einer hybriden Praxis zwischen Spiel und Lernen. Dabei verändern sich einige Kriterien: Die Entscheidung, ob gespielt wird oder nicht, liegt oft nicht mehr bei den Lernenden, sondern bei der Lehrperson, die das Spiel vorschlägt. Die mit dem Spiel verbundene Unbeschwertheit kann durch die Aussicht auf eine spätere Bewertung beeinträchtigt werden. Auch die zugrunde liegenden Lernziele können den ungewissen Ausgang und damit die Spielfreude einschränken. Die Herausforderung für Lehrpersonen besteht daher darin, das Spiel nicht nur in ein blosses didaktisches Werkzeug zu verwandeln, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen es seine wesentlichen Merkmale behält und gleichzeitig Lernintentionen dient.

Wie sich das Spiel als Methode für BNE nutzen lässt

Ein Problem lösen, eigene Entscheidungen bewerten, Emotionen regulieren: All das sind BNE-Kompetenzen, die sich durch das Spiel fördern lassen. Gerade deshalb ist es eine besonders geeignete Methode. Wir empfehlen Lehrpersonen:

  • den Mehrwert des Spiels im Hinblick auf ihre BNE-Lernziele zu klären,    
  • ein Spiel auszuwählen unter Berücksichtigung:
    - der BNE-Kompetenzen, zu deren Entwicklung es beiträgt,
    - der thematischen BNE-Inhalte, die sich damit erschliessen lassen,
  • eine BNE-Leitfrage als roten Faden zu verwenden,
  • auf das Spiel eine Reflexionsphase folgen zu lassen, in dem das Spielerlebnis und mögliche Lernprozesse thematisiert werden,
  • Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung einzubeziehen, die im Spiel selbst nicht angesprochen wurden,
  • das Spiel in eine Reflexion einzubetten, die Perspektiven auf wünschenswerte Zukünfte eröffnet.

Die eigentliche Natur des Spiels als Quelle von Freude und Engagement zu bewahren, es als sinnvolle Lernmethode zu verstehen, die das methodische Repertoire erweitert, und gleichzeitig Elemente zu integrieren, die im Sinne einer BNE wirken: Das ist eine spannende Herausforderung für Lehrpersonen, die zweifellos ihre ganze Expertise und Kreativität in Anspruch nimmt.

2Brougères bezeichnet dieses Kriterium als «Frivolität / Leichtfertigkeit». éducation21 hat diesen Begriff der Klarheit halber angepasst.

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Kontakt

Dr. Isabelle Bosset
Direktion + Stab
Wissenschaftliche Grundlagen
+41 31 321 00 28

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