«Ich bin doch nicht rassistisch. Oder?»
19.03.2026
Rassismus im Schulalltag zeigt sich oft subtil, in Sprache, Erwartungen oder unbewussten Annahmen. Wer als Lehrperson die eigene Haltung reflektiert, kann wichtige Impulse für ein respektvolles und gerechtes Lernumfeld setzen.
Lehrpersonen spielen eine zentrale Rolle dabei, Schule und Unterricht diskriminierungsfreier und rassismuskritischer zu gestalten. Das setzt aber voraus, dass Lehrpersonen die eigene Haltung und das eigene Handeln reflektieren. So gelingt es ihnen, sensibler auf unterschiedliche Lebensrealitäten zu reagieren und Diskriminierung im Schulalltag besser zu erkennen und zu thematisieren.
Bewusstsein für eigene Privilegien
Ein erster Schritt besteht darin, sich der eigenen gesellschaftlichen Position und möglicher Privilegien – also ob ich selbst im Alltag oder beruflichen Kontext Rassimuserfahrungen mache oder nicht - bewusst zu werden. Selbstreflexionsfragen können dabei helfen, unterschiedliche Erfahrungen wahrzunehmen, zum Beispiel:
- Wurde ich schon einmal wegen meiner Hautfarbe beleidigt oder ausgeschlossen?
- Haben Menschen häufig Schwierigkeiten, meinen Namen auszusprechen oder verändern ihn bewusst?
- Musste ich mich schon einmal für meine Herkunft oder meine Familie rechtfertigen?
- Wurden meine schulischen Leistungen mit meiner Herkunft erklärt oder relativiert?
- Wurde mir im Bildungssystem schon früh signalisiert, dass eine akademische Laufbahn eher unwahrscheinlich sei?
Solche Fragen helfen Lehrpersonen zu erkennen, welche (Diskriminierungs-)Erfahrungen Schülerinnen und Schüler machen, die ihnen selbst allenfalls nicht vertraut sind.
Reflexion meiner Sprache und meines Verhaltens
Auch «gut gemeinte» Aussagen können verletzend sein oder stereotype Vorstellungen reproduzieren. Unsere Handlungen sind zudem häufig geprägt von unserer Sozialisation, von der wir uns, auch unbewusst, schwer lösen können. Wichtig ist daher, die eigene Sprache, eigene Handlungen und Reaktionen zu hinterfragen. Beispiele für Reflexion:
- Wird eine Schülerin / ein Schüler häufiger nach ihrer / seiner «eigentlichen Herkunft» gefragt?
- Werden Aussagen wie «Du sprichst aber gut Deutsch» gemacht, obwohl das Kind hier aufgewachsen ist?
- Wird bei einem Konflikt schneller angenommen, dass bestimmte Gruppen problematischer sind?
Die Fragen helfen dabei zu erkennen, ob die eigene Wortwahl eine rassistische Begrifflichkeit reproduziert oder Vorurteile eigene Handlungen beeinflusst haben. Grundsätzlich: Solche Aussagen und Handlungen haben häufig damit zu tun, wie wir sozialisiert wurden. Wichtig ist die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, sich diesen Aspekten bewusst zu werden und damit als Lehrperson zu einem «rassismusfreieren» Umgang miteinander beizutragen. Das bedeutet auch, Einsicht zu zeigen, nicht sofort zu relativieren oder rechtfertigen und sich bei Betroffenen zu entschuldigen. Anschliessend gelt es zu überlegen, wie man künftig anders formulieren kann.
Meine Wahrnehmung von Schülerinnen und Schülern überprüfen
Eine wichtige Frage für Lehrpersonen ist, wie sie einzelne Schülerinnen und Schüler wahrnehmen und beurteilen. Dabei lohnt es sich zu prüfen, ob unbewusst stereotype Vorstellungen eine Rolle spielen. Mögliche Reflexionsfragen:
- Verbinde ich bestimmte Herkunftsländer automatisch mit bestimmten Fähigkeiten (z. B. Sport, Mathematik, Sprache)?
- Habe ich bei einigen Schülerinnen und Schülern niedrigere oder höhere Erwartungen?
- Interpretiere ich Verhalten unterschiedlich, je nachdem, von wem es kommt?
Weitere Inputs zum Thema finden Sie im aktualisierten Themendossier zum Thema Rassismusprävention, das wir im Mai 2026 publizieren werden.