Gesundheitsförderung an Schulen: Fünf zentrale Erkenntnisse
14.09.2026

Netzwerktreffen GF EDK

Wie können Schulen in der Gesundheitsförderung und Prävention wirksam unterstützt werden? Die Frage stand im Zentrum der Netzwerktagung Gesundheitsförderung und Prävention in den Schulen vom 10. September 2026, organisiert vom Generalsekretariat der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren EDK und von éducation21. Die eingeladenen kantonalen Fachleute nutzten das nationale Austauschgefäss, um schulunterstützende Angebote und die Vernetzung von Schulen mit ihrem Umfeld zu diskutieren. Ein Fazit: Ein gesamtschulischer Ansatz endet nicht am Schuleingang.

Gesundheitsförderung und Prävention sind keine Aufgaben, die Schulen allein bewältigen können. Damit Massnahmen langfristig wirken, braucht es gute Rahmenbedingungen, verlässliche Unterstützungsstrukturen und eine Zusammenarbeit zwischen Schule, Fachstellen, Gemeinden, Kantonen und weiteren Akteuren.

Die Schule im Zusammenspiel mit ihrem Umfeld

Der rote Faden der diesjährigen Tagung war somit die Frage, wie Schulen über die einzelne Institution hinaus vernetzt und unterstützt werden können. Der so genannte Whole School Approach betrachtet die Schule als Ganzes, als Lebens-, Lern- und Arbeitsort. Die Diskussion an der Tagung weitete diese Perspektive aus: Entscheidend ist ebenso, wie die Schule mit ihrem lokalen und kantonalen Umfeld verbunden ist und auf welche Strukturen und Fachstellen sie in komplexen Situationen zurückgreifen kann.

Am Beispiel des Kantons Waadt wurde diskutiert, welche Ressourcen und Plattformen für die Bewältigung komplexer Situationen zur Verfügung stehen und welche Bedingungen eine erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedener Stellen innerhalb eines Kantons begünstigen. Der Beitrag knüpfte zugleich an die Netzwerktagung 2025 zum Thema Schulabsentismus an.

Damit rückte eine zentrale Frage in den Vordergrund: Wie können schulunterstützende Massnahmen so organisiert und miteinander verknüpft werden, dass Schulen rasch die passende Unterstützung finden und nicht selbst zwischen unterschiedlichen Zuständigkeiten vermitteln müssen?

Bewegung als Aufgabe der ganzen Schule

Wie ein gesamtschulischer Ansatz konkret aussehen kann, zeigte auch das Thema Bewegung. Vorgestellt wurde «Active School», ein Ansatz zur ganzheitlichen Bewegungsförderung im Schulalltag des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Bern und der PH Bern. Im Austausch ging es insbesondere darum, wie solche Ansätze breiter umgesetzt werden können.

Das Beispiel macht deutlich: Bewegung lässt sich nicht allein über einzelne Sportlektionen im Unterricht fördern. Entscheidend sind auch Pausen, Schulräume, Tagesstrukturen, Schulorganisation und die Beteiligung von Schlüsselpersonen innerhalb der Schule. Die Ansätze und Ergebnisse von Active School zeigten, welches Potenzial darin liegt, bestehende Angebote im Sinne eines gesamtschulischen Ansatzes weiterzuentwickeln. Für die Teilnehmenden stand dabei im Vordergrund, die bereits vielfältige Angebotslandschaft zu stärken, anstatt sie durch neue Angebote zu konkurrenzieren. Gefragt sind vielmehr gezielte Ergänzungen und Weiterentwicklungen, die Bestehendes sinnvoll erweitern.

Prävention mit der Schule gestalten

Ein weiterer Schwerpunkt war Free. Fair. Future. Schule, ein Angebot für eine Jugend ohne Nikotin. Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Pilotphase und die Umsetzung ab dem Schuljahr 2026/27.

Im Kontext dieses Programms bietet éducation21 mit ResponsAbilita ein Unterrichtsangebot für den 3. Zyklus an. Es stärkt Schülerinnen und Schüler darin, sich mit Themen wie Stress, Gefühlen, Werten und der eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Damit ergänzt das Lernangebot strukturelle Präventionsmassnahmen um die pädagogische Arbeit im Unterricht.

Die verschiedenen Beispiele der Tagung zeigen dabei in dieselbe Richtung: Gesundheitsförderung wirkt dann besonders gut, wenn Unterricht, Schulentwicklung, Unterstützungsangebote und kantonale Strukturen zusammengedacht werden.

Fünf Erkenntnisse aus der Netzwerktagung

Die verschiedenen kantonalen und sprachregionalen Beispiele zeigen unterschiedliche organisatorische Modelle, weisen aber auf gemeinsame Erfolgsbedingungen hin:

  1. Gesundheitsförderung braucht Vernetzung. Schulen benötigen verlässliche, etablierte Beziehungen zu Fachstellen, Gemeinden und kantonalen Strukturen. Gute Koordination erleichtert den Zugang zu vorhandenen Ressourcen.
     
  2. Unterstützung muss für Schulen leicht zugänglich sein. Es sollte nicht Aufgabe der Schule sein, herauszufinden, welche Stelle wofür zuständig ist. Zuständigkeiten, Schnittstellen, Vermittlungswege und gegebenenfalls die Fallführung müssen für Schulen, Eltern und Schülerinnen und Schüler klar sein.
     
  3.  Der Whole School Approach endet nicht am Schultor. Eine gesundheitsfördernde Schule gestaltet nicht nur Unterricht und Schulkultur, sondern ist zugleich in ein lokales und kantonales Unterstützungsnetz eingebunden.
     
  4. Schlüsselpersonen machen den Unterschied. Ob Bewegungsförderung, Prävention oder Schulentwicklung: Schlüsselpersonen mit definiertem Zuständigkeitsprofil und entsprechenden Ressourcen, die verschiedene Akteure verbinden und Prozesse in der Schule verankern, sind zentral.
     
  5. Bestehende Netzwerke sollten stärker zusammenspielen. Die enge thematische Verbindung von Gesundheitsförderung, Prävention und BNE innerhalb des Schulnetz21 bietet die Chance, Wissen und Ressourcen zu bündeln und Schulen kohärenter zu unterstützen. Silo-Strukturen, unterschiedliche institutionelle und politische Logiken, sowie fehlende Zeit- und Koordinationsressourcen sollten dies nicht behindern.

Der Austausch in Bern zeigte, wie viel Wissen und Erfahrung in den Kantonen bereits vorhanden ist. Die Netzwerktagung und das Schulnetz21 als nationales Netzwerk schaffen einen Raum, um dieses Wissen über kantonale und fachliche Grenzen hinweg zu teilen. Aufgrund der unterschiedlichen Verhältnisse in den Sprachregionen und Kantonen ist es nicht immer einfach, die Erkenntnisse für die eigenen Bedürfnisse zu adaptieren. Der bereichernde Austausch ermöglicht es jedoch, gemeinsam die Zusammenarbeit mit den Unterstützungsstrukturen für Schulen weiterzuentwickeln.

 

Die Netzwerktagung Gesundheitsförderung und Prävention in den Schulen bringt Akteurinnen und Akteure der Gesundheitsförderung und Prävention zusammen und ermöglicht ihnen einen fachlichen Austausch über die Kantons- und Sprachgrenzen hinaus. Die Tagung wird gemeinsam vom Generalsekretariat der EDK und von éducation21 als verantwortliche Stelle für das nationale Schulnetz21 getragen. Diese Zusammenarbeit baut auf einer bereits starken Vernetzung auf. In mehreren Kantonen überschneiden sich die beiden Strukturen auch personell: Fachpersonen, die für Gesundheitsförderung und Prävention zuständig sind, koordinieren gleichzeitig das Schulnetz21 oder arbeiten eng mit dessen kantonalen Strukturen zusammen. Dadurch können Wissen, Angebote und Erfahrungen zwischen Bildungs- und Gesundheitsbereich unmittelbar zusammengeführt werden.

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Unterrichtsangebot «ResponsAbilita»